Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Münster
Ev. Krankenhaus Bielefeld
Evangelisches Krankenhaus Bielefeld
Titel:Schlaganfall erkennen: jede Sekunde zählt

Datum:26. 04. 2010 

Alle drei Minuten ereignet sich in Deutschland ein Schlaganfall. Alle neun Minuten stirbt ein Mensch daran. Unscheinbare und kurzzeitige Symptome wie Lähmungserscheinungen und Sehstörungen können Vorboten eines Schlaganfalls sein. Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Schäbitz, Chefarzt der Klinik für Neurologie Bethel am Ev. Krankenhaus Bielefeld (EvKB) weiß, dass jede Minute zählt, denn eine sofortige Behandlung verhindert in 80 Prozent der Fälle dauerhafte Schäden.

Richtig oder falsch: steigt das Risiko, einen Schlaganfall zu bekommen tatsächlich in Deutschland?

Richtig. Dieser Anstieg hängt mit der demographischen Entwicklung und unserer älter werdenden Gesellschaft zusammen. Das Risiko per se einen Schlaganfall zu bekommen steigt in Deutschland nicht automatisch an.

Welches sind die ersten Vorboten für einen Schlaganfall?

Erste Symptome eines Schlaganfalles können sein: Sehstörungen, Lähmungen der Arme oder Beine, Störungen der Sprache, also undeutliches, verwaschenes Sprechen Wortfindungsstörungen oder Verständnisstörungen. Weitere Symptome sind Gefühlsstörungen in Form von Taubheit oder Kribbeln und Koordinationsstörungen der Beine oder Arme.

Warum werden die ersten Anzeichen oft nicht erkannt oder ernst genommen?

Da bei Schlaganfällen nur sehr gelegentlich mal Kopfschmerzen als erstes Symptom auftreten, werden die Beschwerden im Gegensatz zum Herzinfarkt, der mit heftigen Schmerzen einhergeht, häufig verharmlost. Gerade Gefühlsstörungen oder auch leichtere Lähmungen und kurzfristige Störungen der Sprache werden häufig nicht als gefährlich bewertet.

Ist es harmlos, wenn sich die Symptome gleich wieder zurückbilden?

Ganz und gar nicht! Die Symptome sollten unbedingt sofort abgeklärt und behandelt werden. Diese flüchtigen Schlaganfälle heißen in der Fachsprache „Transient Ischemisch Attack“, kurz TIA. Sie sind gefürchtete Vorboten eines schweren, möglicherweise behindernden Schlaganfalls, der typischerweise in den ersten Tagen oder Wochen nach der TIA auftritt. Daher sollten auch Patienten mit harmlosen Symptomen wie eine vorübergehende Sensibilitätsstörung, Lähmung oder Sehstörung dringend auf einer Stroke Unit, also einer Schlaganfallstation, untersucht werden.

Müssen alle Symptome gleichzeitig auftreten?

Es ist für viele Formen des Schlaganfalls typisch, dass ein Leitsymptom auftritt, welches an Schwere zunimmt Im Verlauf gesellen sich dann noch weitere Symptome hinzu. Bei sehr schweren Schlaganfällen können von Anfang an mehrere schwer ausgeprägte Symptome gleichzeitig auftreten.

Wie müssen Betroffene oder Angehörige auf die Symptome reagieren?

Jeder sollte die Symptome eines Schlaganfalls kennen. Mit wenigen Grundkenntnissen ist man in der Lage, einen Schlaganfall mit zu 85%-iger Wahrscheinlichkeit zu diagnostizieren. Hierüber zu informieren, ist übrigens Ziel der Aktionen, die im Rahmen des Schlaganfalltags am 10. Mai stattfinden.

Gibt es Erste-Hilfe-Maßnahmen, die man als Angehöriger selbst einleiten kann?

Bei der Behandlung eines Schlaganfalls zählt jede Minute. In jeder ungenutzten sterben Gehirnzellen. Deshalb ist die beste Erste-Hilfe-Maßnahme, den Notarzt zu rufen. Der Patient wird dann in eine Stroke Unit gebracht, die auf die Akutbehandlung von Schlaganfällen spezialisiert ist.

Begünstigen bestimmte Lebensweisen einen Schlaganfall?

Grundsätzlich erhöht der moderne Lifestyle der Industriegesellschaften das Schlaganfallrisiko. Fettreiches, kalorienhaltiges Essen, wenig Bewegung, Übergewicht, Rauchen begünstigen die typischen Zivilisationskrankheiten Bluthochdruck, Diabetes, Adipositas und Schlafapnoe. Diese wiederum erhöhen das Schlaganfallrisiko um das 10fache.

Bekommt man nur einmal in seinem Leben einen Schlaganfall?

Schlaganfälle kann man mehrmals in seinem Leben erleiden. Ziel der Abklärung und Behandlung auf der Stroke Unit ist jedoch, neben der Akutbehandlung Ursachen und Risikofaktoren für den Schlaganfall festzustellen und zu behandeln. Hierzu gehört auch, eine Veränderung des Lebensstils einzuleiten. Entscheidend ist jedoch, sowohl die medikamentöse Behandlung der Risikofaktoren als auch die Änderungen des  Lebenstils langfristig umzusetzen und beizubehalten.

Gibt es ein Medikament gegen den Schlaganfall?

Es gibt ein zugelassenes Medikament: die Lysebehandlung. Mit ihr kann ein verschlossenes Blutgefäß wieder eröffnet werden Weitere Medikamente und Verfahren zur Akutbehandlung sind in der Entwicklung und werden möglicherweise in den nächsten Jahren zugelassen. Auch die Behandlung der Risikofaktoren erfolgt mit Hilfe von Medikamenten.

Wie kann man einem Schlaganfall sonst noch vorbeugen?

Grundsätzlich gilt die Faustregel: viel Bewegung, nicht Rauchen und gesundes Essen. Das heißt, man sollte mediterran leben: mehr pflanzliche als tierische Fette, viel Obst und Gemüse. Ein bis zwei Gläser Wein am Tag sind erlaubt.

Wie testet man sein eigenes Risiko für einen Schlaganfall?

Das Schlaganfallrisiko kann anhand einfacher Skalen abgeschätzt werden. Wie das geht, können Sie am 10. Mai auf dem Jahnplatz ausprobieren.

Vielen Dank für das Gespräch!

Noch Fragen? Dann kommen Sie uns am 10. Mai im Medizinerzelt auf dem Bielefelder Jahnplatz besuchen! Und schauen Sie in unseren Info-Film "Schlaganfall. Ein Notfall"

 


 

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Stand: 7.7.2010
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