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Chefarzt Prof. P. Clarenbach
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Wenn das Gleichgewichtsorgan im Innenohr dem Gehirn etwas anderes meldet als die Augen und als die Sensoren in der Halsmuskulatur, erlebt der Mensch Schwindel, z.B. beim Lesen im Auto oder auf dem Schiff bei rauer See: Das Gleichgewichtsorgan meldet ein Bremsen und Beschleunigen, ein Auf und Ab, doch die Augen sehen unverändert auf die Zeilen des Buches, sowie Kopf und Rumpf ihre Haltung zueinander nicht verändern.
Umgekehrt ist die Situation beim Blick z.B. von einem hohen Turm oder einem Berggipfel: Das Gleichgewichtsorgan hat nichts, was es melden könnte, doch die Augen können sich an keinem nahen Objekt festhalten, somit verliert sich der Blick in der Ferne, und schon hat man Höhenschwindel.
Zugegebenermaßen sind es nicht diese Formen, die uns jährliche Hunderte von Patienten mit Schwindel in die Klinik bringen, aber das Prinzip ist immer dasselbe.
- Der Somatoforme Phobische Schwankschwindel ist lt. Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) die häufigste Ursache von Schwindel bei den 20- bis 60-Jährigen. Im Langzeitverlauf zeigt sich in etwa zwei Drittel der Fälle auch ohne Therapie eine Besserung.
- Die zweithäufigste Form ist der Benigne Paroxysmale Lagerungsschwindel, bei dem heftiger Drehschwindel mit Übelkeit und Erbrechen auftritt. Dies geschieht, wenn man sich aus der Senkrechten in die Horizontale begibt, oder im Liegen von einer Seite zur anderen dreht. Hier ist meist ein kurzes Lagerungsmanöver, das wir seit Jahren mit Erfolg anwenden, hilfreich. Allerdings beträgt die Rezidivrate 50%, davon 80% im ersten Jahr.
- Schließlich ist der akute Ausfall eines Gleichgewichtsorganes zu nennen, wiederum begleitet von heftigem Drehschwindel mit Übelkeit und Erbrechen. Beim Jüngeren gehen wir hier von einem eher entzündlichen Geschehen aus, das wir Neuronitis Vestibularis nennen. Beim Älteren, in Analogie zum Hörsturz, von einer Durchblutungsstörung, die wir neutral Vestibulopathie nennen. Rezidive sind im Langzeitverlauf hier eher selten.
Neben diesen gibt es eine Vielzahl weiterer Formen, die sich diagnostizieren und therapieren lassen. Der Lageschwindel ebenso wie der M. Meniere oder die sog. Vestibularisparoxysmie und viele andere. Als Beispiel ist hier die vestibuläre Migräne zu nennen, die als das Chamäleon episodischer Schwindelformen gilt und die häufigste Ursache rezidivierender spontan auftretender Schwindelattacken ist.
Die Analyse des Schwindels per Elektronystagmographie und der Ausschluss von entzündlichen Veränderungen im Gehirn per Lumbalpunktion und Bildgebung erlauben eine eine rasche Diagnostik als auch eine Therapie mit Infusionen und dem sog. Schwindeltraining innerhalb weniger Tage. Ebenfalls ist dies bei Blutungen oder Minderdurchblutungen und von Tumoren per Computer- oder Kernspintomographie der Fall.
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Die Elektronystagmographie der Neurologischen Klinik des EvKB, Johannesstift. |

