Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Münster
Ev. Krankenhaus Bielefeld
Grundsätze für die Pflege im Ev. Krankenhaus Bielefeld

Pflege im Evangelischen Krankenhaus Bielefeld

Im Evangelischen Krankenhaus Bielefeld arbeiten Pflegende an mehreren Standorten in den unterschiedlichen Feldern eines Krankenhauses der Maximalversorgung. In seinen Fachbereichen werden Menschen mit akuten, episodenhaften, chronischen, oder unheilbaren Erkrankungen oder/und mit besonderen Schwierigkeiten beraten, behandelt, gepflegt, betreut, unterstützt und begleitet. Dies gilt für alle Altersgruppen vom Ungeborenen bis zum betagten Menschen. Die ambulant, teilstationär oder stationär Pflegenden wirken in enger Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen verantwortlich mit bei der Prävention, Diagnose, Heilung und Linderung von Krankheiten. Die vielfältigen Aufgaben an unterschiedlichen Orten machen es erforderlich, dass die Pflegenden im Evangelischen Krankenhaus Bielefeld sich auf gemeinsame Grundsätze verständigen.  Die daraus resultierenden Maßnahmen werden zielorientiert in der täglichen Arbeit verwirklicht. Die vorliegenden Grundsätze für Pflege im EvKB dienen als Grundlage für die Weiterentwicklung des Arbeitsfeldes Pflege und leisten so einen wichtigen Beitrag zur Gestaltung einer interdisziplinären und zukunftsfähigen Versorgung von Patientinnen und Patienten.

 

Menschenbild und Werte

Auf der Grundlage eines christlichen Menschenbildes wird der Mensch in seiner Einmaligkeit, seiner Würde und in seinem Recht auf Entfaltung seiner Persönlichkeit in allen Lebensphasen respektiert. Für die Pflege im EvKB ist der Ethikkodex der Internationalen Vereinigung der Pflegenden (ICN) handlungsleitend. Danach ist die Achtung der Menschenrechte, einschließlich des Rechts auf Leben, auf Würde und auf respektvolle Behandlung untrennbarer Inhalt von Pflege.

 

Pflegeverständnis und der theoretische Bezugsrahmen

Das Pflegeverständnis im EvKB beinhaltet vier grundlegende Aufgaben: Gesundheit fördern, Krankheit verhüten, Gesundheit wieder herstellen und Leiden lindern. Darüber hinaus  ist Pflege die Erkennung und Behandlung menschlicher Reaktionen auf vorhandene oder potentielle Gesundheitsprobleme. Ziel pflegerischer Interventionen ist es, Krankheitsfolgen und Reaktionen auf Krankheit, gesundheitliche Gefährdungen und die individuellen Grenzen der Belastbarkeit im Sinne der der behandelnden Menschen in allen Lebensphasen günstig zu beeinflussen. Bei der Bestimmung von Pflegemaßnahmen und Zielen wird die Patientin/der Patient und der ihr/ihm wichtigen Bezugspersonen als aktive Partner einbezogen. Der pflegetherapeutische Anteil innerhalb des multiprofessionellen Behandlungsteams fokussiert nicht nur auf die behandlungsrelevante Erkrankung, sondern bezieht die individuelle biographische Krankheitsverlaufskurve, sowie wichtige soziale und häusliche Gegebenheiten in ihre Planung und Handlung mit ein. Ziel der Pflege ist es, dem pflegebedürftigen Menschen eine größtmögliche Selbstbestimmung und Förderung seiner individuellen Fähigkeiten zu selbständiger und selbstverantwortlicher Lebensgestaltung zu ermöglichen. Die individuellen Ressourcen des pflegebedürftigen Menschen sind zu respektieren und mit ihm weiterzuentwickeln. Da wo Menschen nicht in der Lage sind, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen, handelt Pflege nach christlich-ethischen Grundsätzen im Sinne des mutmaßlichen Willens der Patientin/des Patienten.

 

Führungsverständnis

Das Verständnis von Führung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bezieht sich im Besonderen auf die „Grundsätze für Zusammenarbeit und Führung in den v. Bodelschwinghschen Anstalten Bethel“  sowie auf das „Leitbild des Ev. Johanneswerkes e. V.“. Danach bilden folgende Kernfunktionen die  Grundlage des Pflegemanagementkonzepts: Unterstützung und Förderung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, Kommunikation, Partizipation und Kooperation, Gestaltung und Optimierung der Arbeitsstrukturen und –prozesse , die Ziel- und qualitätsgerechte Leistungserbringung. Entsprechend der Grundsätze gelten folgende Punkte für die Pflege im EvKB:

  • Einander achten
  • Orientierung geben
  • Zeichen setzen
  • Information und Transparenz wechselseitig gewährleisten
  • Persönlich kommunizieren
  • Verantwortung aktiv wahrnehmen
  • Prozesse bewusst gestalten
  • Beteiligung und Mitverantwortung fördern
  • Wandel als Chance begreifen
  • Rückmeldungen und Konflikte konstruktiv nutzen
  • Dauerhaft lernen

 

Prozessverantwortung

Pflege im EvKB beteiligt sich verantwortlich und maßgeblich an der Weiterentwicklung patientenorientierter Behandlungsprozesse. Prozessmanagement im Krankenhaus basiert auf einer verbindlichen Gestaltung und Steuerung des Gesamtprozesses mit dem Ziel, im Sinne des einzelnen Patienten, die Vielzahl der behandelnden Personen zu reduzieren. Zur Erreichung dieses Zieles werden den Patienten verantwortliche Pflegende zugeordnet. Zur Erfüllung der unterschiedlichen Aufgaben in den jeweiligen Feldern der Pflege, bzw. in den einzelnen Funktionsbereichen arbeiten Pflegende und die Pflege unterstützende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit entsprechend differenziertem Qualifikationsprofil.

Im Hinblick auf die Arbeitsorganisation steht die Entwicklung dezentraler Prozessverantwortungsstrukturen der Pflege im Vordergrund. Dabei sind die Schnittstellen zu den erforderlichen zentralen Organisationsstrukturen im Sinne patientenorientierter Behandlungsprozesse geklärt.

Pflegeentwicklung und Pflegeforschung

Pflegerische Interventionen werden durch ein Qualitätsentwicklungs- und -sicherungssystem mit Hilfe der Pflegewissenschaft nach Möglichkeiten auf ihre Wirksamkeit hin überprüft. Pflegende beteiligen sich bei der Einführung und Weiterentwicklung der nationalen Expertenstandards und transferieren sie in den Berufsalltag. Mit Hilfe der wissenschaftlich qualifizierten Pflegeexperten werden unterschiedliche pflegerische Aufgaben, bearbeitet. Dazu gehören die Umsetzung nationaler und internationaler Anforderungen an die Gestaltung professioneller Pflege und die Forschung zu bestimmten Phänomenen der Pflege. In enger Zusammenarbeit mit dem Pflegemanagement wird hier Forschung, Qualitätsentwicklung, Weiterbildung, strategische Personalentwicklung, Prozessmanagement und Projektmanagement für die Pflege betrieben. Regelmäßige Kontakte und Kooperationen mit Hochschulen werden gepflegt und dienen der Weiterentwicklung pflegerischen Wissens.

Pflegerische Aus- Fort- und Weiterbildung

Pflege hält ein differenziertes Qualifikationsprofil vor. Damit die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Pflege den sich wandelnden Anforderungen im Sinne einer erfolgreichen Personalentwicklung und Weiterqualifizierung gewachsen sind, benötigt Pflege ein sich ständig weiterentwickelndes Aus- Fort- und Weiterbildungssystem. In Zusammenarbeit mit der Fort- und Weiterbildung und im Rahmen einer verbindlichen Kooperation mit den Evangelischen Ausbildungsstätten für Gesundheitsberufe gestaltet Pflege die Weiterentwicklung der Aus-, Fort- und Weiterbildung aktiv mit.

Pflege und Wirtschaftlichkeit

Sozialökonomische und berufspolitische Einflussfaktoren erfordern von der Pflege eine Positionierung unter Berücksichtigung der oben beschriebenen handlungsleitenden Werte. Unter den gegebenen ökonomischen Rahmenbedingungen sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Pflege verantwortlich für die Qualität, sowie die  inhaltliche wie strukturelle Ausgestaltung einer patientenorientierten Pflege.  Damit Pflege den hohen Qualitätszielen gerecht werden kann, beteiligt es sich aktiv an der Weiterentwicklung ausgewählter berufsgruppenübergreifender Konzepte, welche die Prozessverantwortung des Pflegenden vor Ort stärken.  Fall- bzw. Casemanagement Primary Nursing, Epilepsie Nurse, Differenzierung der pflegerischen Kompetenzen in den Pflegebereichen, Aufnahme- und Entlassungsmanagement, etc. sind Konzepte, die einerseits eine Entwicklung pflegerischer Verantwortung fördern, andererseits  auch den aktuellen wirtschaftlichen Zielen gerecht werden.

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Stand: 7.7.2010
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